Fotomagazine

Klassische Fotomagazine sind nichts besseres als Verkaufsprospekte. Produkttests zu neuer Hardware steht hier im Vordergrund. Bildserien gibt es nur selten. Fotografenportraits und Berichte über ihre Werke und Ausstellungen erscheinen maximal am Rand. Und Werbung dominiert die Magazine.

Wer sich eine neue Kamera anschaffen will, der kauft solche Hefte und meist nachher nicht schlauer als zuvor. Denn stets geben sie nur einen kleinen Ausschnitt des Angebotes wieder.

Viel schlimmer noch: Die ganzen Möglichkeiten der Technik lenken vom Wesentlichen ab: Der Fotografie selbst. Vor lauter Megapixel, Sensorgröße, WLAN, Serienbildgeschwindigkeit geraten die eigentlich wichtigen Informationen in den Hintergrund.

Und geht man zum nächsten Elektronikmarkt, so ist die Auswahl unüberschaubar groß und kompetente Berater sind schwer zu finden.

In meiner Laufbahn als Fotograf habe ich schon viele interessierte Menschen dabei beraten dürfen, welche Kamera zu ihnen passt. Es gibt keine Kamera, die zu jedem passt und alle Anforderungen erfüllt (und würde es sie geben, wäre sie unerreichbar teuer und extrem komplex in der Bedienung).

Doch ganz häufig komme ich mit meinen Gesprächspartnern zu dem Ergebnis, dass weniger dann doch oft mehr ist. Dass eine gute Gebrauchte mit einem richtig guten Objektiv qualitativ besser ist und oft auch besser auf das Anforderungsprofil passt, als eine Kamera, die einige Megapixel mehr hat, liegt oft nicht direkt auf der Hand.

Aber es wird spürbar, wenn ich meinen Gesprächspartnern einmal drei verschiedene Kameramodelle in die Hand gebe und nicht mehr über die technischen Daten mit ihnen spreche, sondern sie dazu einlade, mit mir ein paar Fotos zu machen.

Dann sehe ich nicht nur, was sie fotografieren wollen, sondern auch, was sie beherrschen und wo es ihnen vielleicht auch an Kenntnissen fehlt.

Und: Es mag verwundern. Schon einige Male habe ich dringend vom Kauf neuer Hard- oder Software abgeraten und stattdessen einen guten (und auf die Bedürfnissituation passenden) Fotoworkshop anstelle dessen empfohlen – und habe dafür nach einigen Wochen stets überragendes Feedback erhalten.

Denn wie beim Computer, sitzt das Problem zumeist hinter dem Bildschirm. Bei der Digitalkamera gilt das auch. Doch da steht das Problem meist hinter dem Sensor… ;-)

Fotomagazine helfen daher (in meinen Augen) nur selten dabei, das richtige zu kaufen oder gar bessere Fotos zu machen. Fotomagazine sind eigentlich Kataloge, die denjenigen Menschen helfen Geld loszuwerden, die nicht die Zeit haben (oder nehmen wollen), sich richtig beraten zu lassen und lieber der Werbung hören, als einem Experten.

Just my 5 Cents. Passend zur Vorweihnachtszeit. Traditionell der Zeit, in der die meisten Kameras und Objektive verkauft werden. Mein Appell: Verschenkt dieses Jahr mal Fotoworkshops!

Warum? Wer eine Kamera verschenkt, bekommt nur selten Fotos zu sehen. Wer einen Workshop verschenkt, bekommt immer Fotos aus dem Workshop zu sehen. Versprochen!