Loft

Frankfurt City. Ich betrete eine stylische Wohnung. Kühl und minimalistisch eingerichtet. Vom Flur gehen Badezimmer, Schlafzimmer, Gästezimmer ab. Und eben der eine große Raum, den man als Wohnküche bezeichnen könnte.

Aber Wohnküche hört sich so einfach ein. So normal. Es ist anders. Der Raum ist gefühlte acht Meter breit und knapp vier Meter tief. Ich betrete das Rechteck an der Mitte der langen Seite und stehe direkt vor einem riesigen, massiven Holztisch. Rundherum insgesamt 8 Stühle, die ohne jedwede Enge an den Tisch passen. Darauf eine stylische Schale, in der das Obst liegt.

Auf der einen Seite des Tisches befindet sich die Küche. Im Bulthaup-Style. Ebenfalls minimalistisch kühl und aufgeräumt. Auf den Arbeitsplatten eigentlich nichts, außer einer Espressomaschine und einem Messerblock.

Auf der anderen Seite die Couchgarnitur mit Fernseher und Stereoanlage. Dieser Teil scheint noch nicht fertig, aber das stört mich nicht. Was mich mehr stört ist die lange weiße Wand hinter dem Tisch. Sie ist für meine Begriffe zu lang und zu leer. Kurzerhand nehme ich auf der Seite des Tisches Platz, wo die lange Wand hinter mir liegt. Und ich vergesse das Problem.

Beim Verlassen des Lofts schaue ich nochmal auf die Wand. Ich spreche den Hausherren an und frage, was er mit der Wand vorhat. Ein Bild soll her. Ein Portrait. Er hat schon eins ins Auge gefasst und zeigt mir ein Handyfoto von dem gewünschten Bild. Es ist ein starkes Portrait. Würde gut in das Loft passen. Aber vielleicht nicht hinter den Tisch, sondern an andere Stelle. Denn es ist hochkant.

Mit einem solch langen Raum und einem so großen Tisch, der in längs in der Mitte des Raumes steht, harmoniert ein Hochkantportrait meines Erachtens nicht. Es würde die weiße Wand teilen und die Löcher rechts und links würden noch mehr ins Auge fallen, als heute (meine Meinung).

Ich konfrontiere den Loft-Eigner mit meinen Gedanken und er sagt spontan: „Dann mach einen besseren Vorschlag“.

Mit dem Gedanken verlassen wir das Loft und gehen etwas Essen. Völlig andere Themen dominieren den Abend. Als wir das Lokal verlassen, zeige ich dem Loft-Eigner ein Bild, das mein Wohnzimmer schmückt: Köln bei Nacht. Aufgenommen auf der „Schäal Sick“, direkt vor dem Hotel, in dem Tina Turner gerne residierte.

Cologne by Night.

Cologne by Night.

Sein Kommentar: „Sowas ist cool. Aber ich möchte etwas mit People. Und am liebsten in Schwarzweiss“. Ich habe verstanden.

Stunden später, wir stehen gemeinsam an der Bar, spreche ich den Loft-Eigner erneut an. Die Idee, dass er ein Portrait der Queen in seinem Wohnzimmer aufhängen will, geht mir nicht aus dem Kopf. Queen ja, aber Querformat. Das wird sicher schwer. Und teuer zudem. In meinem Kopf hat sich ein Spruch eingenistet, den ich während des Abends irgendwann bei einem Bier selbst entwickelt habe: „You don’t need a picture of Maggie Thatcher. Because you’re the Queen.“

Ich konfrontriere den Loft-Eigner mit diesem Satz. Er schaut mich verdutzt an und ich bitte den Kellner um ein Blatt Papier und einen Stift. Unbegabt, wie ich im Zeichnen bin, male ich schemenhaft das Bild, was in der Zwischenzeit in meinem Kopf entstanden ist. Es zeigt den Loft-Eigner (selbst ein stylischer Typ) im Wald. Er lehnt an einen Baum, schaut grob Richtung Kamera, aber eigentlich doch daran vorbei. Ein nachdenkliches Motiv. Wie geschaffen für dieses Loft.

Er fragt mich: „Und wo können wir sowas shooten?“. Ich antworte kurz: „Ich habe eine Idee. Ich werde den Ort in Kürze besuchen und ein Testshot für dich machen. Den schicke ich dir zu und dann entscheiden wir weiter.“

Er ist begeistert. Möchte noch wissen, welches Format ich empfehle und ob es Farbe sein soll oder schwarzweiß. Ich antworte: „Spontan empfehle ich das Format 5:2. Mindestens 2 Meter breit. Dürfte professionell bei Whitewall entwickelt und hinter dickem Plexiglas verpackt zwischen 600 und 800 EUR kosten. Reine Produktionskosten für das Bild. Ich tendiere zu schwarzweiß. Könnte mir aber auch eine farbreduzierte Variante vorstellen.“ Dabei denke ich spontan an leichte Nebelschwaden, die im Herbst durch den Wald ziehen.

Heute war ich nun da an dem Ort, an den ich mich erinnerte, als die Bildidee in meinem Kopf entstand. Ich habe das Bild weder aufwändig entwickelt, noch das Gesicht vernünftig beleuchtet. Es ist quasi eine etwas detailliertere Skizze, als ich sie an der Bar entwickelte.

Bildidee in s/w.

Bildidee in s/w.

Out of Cam zog ich eine Kopie auf mein Handy, wandelte das Motiv kurz in s/w um und baute eine leichte Vignette ein. So verschickte ich die Idee per WhatsApp. Und bekam sofort ein tolles Feedback. Übrigens auch von meiner Frau, die sich bereitwillig als Ersatzmodel zur Verfügung gestellt hat.

Würde aber auch in Farbe funktionieren. Oder?

Bildidee in Farbe.

Bildidee in Farbe.