Der Megapixel-Wahnsinn

Jede Woche liegen den Zeitungen Prospekte zu Elektronik-Kram bei. Digitalkameras aller Klassen (Ausnahme: Mittelformat) finden sich dort regelmäßig wieder.

Glaubt man den Werbern, so ist die Megapixel-Anzahl das heilbringende Mittel für qualitativ hochwertige Fotos.

Leider stimmt das so nicht. Denn: Bei den meisten Kameras ist das Objektiv die Schwachstelle! Muss auch, denn die Entwicklung immer leistungsfähiger Kameras kostet Geld. Gleichzeitig ist aber „Geiz geil“. Das heisst: Der geneigte Kamerakäufer möchte möglichst viele Megapixel zu einem möglichst günstigen Preis.

In der BWL nennt man dieses Prinzip (mit minimalem Aufwand den maximalen Output zu erzielen) das Minimax-Prinzip. Und das gibt es in der Praxis nicht.

Es führt zu Verschiebungen und Verschleierungen. Am Beispiel einer DSLR für 399 EUR vom Elektronik-Fachmarkt ist es so, dass nach Abzug von Vertriebs-, Versand-, Entwicklungs-, Verpackungs-, Versicherungs- und Werbekosten vielleicht 200 EUR in die Hardware investiert wurden. Glaubt man dem Einzelpreis für das mitgelieferte Objektiv, so kostet es knapp 100 EUR. Doch auch hier müssen die oben genannten Kosten (bleiben wir der Einfachheit mal bei den angenommenen 50%, die wir beim Bundle auch angesetzt haben) abgezogen werden. Bleibt eine Nettoinvestition von bestenfalls 50 EUR – in eine hochaufwändige Zoom-Konstruktion, die sowohl den Weitwinkel-, als auch den Normal-, als auch den Telebereich abdecken soll und dabei nicht -wie ein Anfänger vielleicht denken mag- aus einer einzigen optischen Linse besteht, sondern aus sechs bis acht unterschiedlichen Linsen, die teilweise gruppiert sind.

Springen wir kurz in einen anderen Bereich: Die Brille. Zumeist ist der Rahmen auf den ersten Blick das Teure. Gläser gibt es je nach Angebot (und Korrekturwerten) kostenlos dazu. Möchte man aber hochwertige Gläser namhafter Hersteller haben und legt zudem Wert auf eine Entspiegelung, dann sind die Gläser plötzlich doppelt so teuer, wie der anfangs gewählte Rahmen.

Was heisst das für die digitale Spiegelreflexkamera? Ganz einfach: Das mitgelieferte Objektiv ist der Flaschenhals. Mehr Bildqualität, als durch diese Gläser hindurchgeht, kommt auch nicht beim Sensor an. Heisst: 10 Megapixel mehr bewirken am gleichen Kitobjektiv eigentlich gar nichts. Außer größeren Dateien pro Bild und einer höheren Rechnerleistung, die der heimische Computer mitbringen muss (ggf. Folgekosten).

Die Technik-Fachmarkt-Angebote sind damit Lockmittel. Einstiegsdroge. Jeder Fotograf weiß jedoch: Die richtige Investition startet erst nach dem Body-Kauf. Nämlich mit den (hochwertigen) Objektiven. Nicht selten ist das Wertegefüge bei Berufsfotografen so: 1 zu 8. Heisst: Sie haben 8x so viel in Objektive investiert, wie in den Kamerabody.

In unserem Ausgangsbeispiel ist es umgekehrt: 3 zu 1. Hier fließen netto nicht einmal 50 EUR in das Objektiv, aber rund 150 EUR in den Body. Das kann kein Qualitätsmerkmal sein.

Momentan tauchen am Kameramarkt erste DSLR’s mit 50 Megapixel Auflösung auf. Damit hat sich das Dogma-Magazin kritisch beschäftigt. Lesenswert für alle, die gerade ihren Kamerabody aufrüsten wollen, aber keine einzige Festbrennweite besitzen.