Eizo CS240

Nun steht er da, der schwarze Eizo CS240. Doch fangen wir von vorne an: Bedingt durch unglücklich von hinten auf das Display fallendes Licht, bearbeite ich meine Fotos überwiegend im dunklen. Rolladen runter, Licht aus, Computer und Bildschirm an. Das hat eigentlich immer recht gut funktioniert und meine Kunden waren stets zufrieden.

Ein Seminar mit Frank Werner von eXtreme visual media hat meinen Blick auf meinen heißgeliebten iMac mit 27 Zoll-Display jedoch ein wenig geändert. Denn trotz Kalibrierung und trotz Zusammenarbeit mit hochwertigen Fotolaboren musste ich zuletzt vermehrt feststellen, dass meine Bilder nach der Bearbeitung mit Lightroom und Photoshop entweder einen Gelb- oder einen Rotstich aufwiesen. Sprich: Bildschirmanzeige und Druckergebnis stimmten nicht exakt überein. Wichtig ist hier das Wörtchen exakt: Wir reden nicht über Welten, sondern über Nuancen. Aber genau das ist es, was Frank Werner in seinem (übrigens sehr empfehlenswerten) Seminar als „farbverbindlich“ bezeichnet.

Gut Ding will Weile haben – so sagt man. Also habe ich meinem iMac einige Monate Zeit gegeben, um für mich zu bewerten, wie schlimm die Abweichungen für mich und meine Kunden sind. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das iMac Display dennoch ein sehr gutes Display ist, auch wenn es verspiegelt ist. Denn viele meiner Kunden arbeiten tagtäglich mit deutlich schlechteren Displays und haben noch nie eine Monitorkalibrierung vorgenommen (übrigens etwas, was ich seit der Nutzung von RAW-Dateien konsequent tue).

Eines Tages führte mich dann eine ganz andere Überlegung zu den hochgelobten Eizo-Displays: Die doppelte Datenhaltung. Mit einem MacBook und einem iMac besaß ich jahrelang zwei Rechner, die beide recht ebenbürtig ausgestattet waren. Auf beiden hatte ich große Laufwerke installiert und auf beiden hatte ich dementsprechend viele Daten. Über meine TimeCapsule wurden beide Systeme laufend gesichert, aber eine saubere Datenorganisation war nicht sichergestellt. Mit einer zwischenzeitlichen Einsatzwechseltätigkeit und einer kleinen Wohnung in einer fremden Stadt hatte ich mir aus Kostengründen ein NEC-Display mit IPS-Panel zugelegt, um eben nicht den Preis eines Eizo’s zahlen zu müssen, aber dennoch während der Woche auch ein paar Bilder bearbeiten zu können (was an einem 13 Zoll MacBook eher schwierig ist).

Nachdem die Einsatzwechseltätigkeit entfiel, habe ich das NEC-Display schnell wieder veräußert. Es blieben also zwei Rechner, einer mit einem tollen großen Display und einer mit einem für die Bildbearbeitung zu kleinen Display. Und stets habe ich beide kalibriert.

Nachdem bei der Datenhaltung und Bildersicherung eine Neuorganisation anstand und diese erfolgreich abgeschlossen war, habe ich mich dann zu einem schweren Schritt entschlossen: Ich habe meinen iMac verkauft und mein MacBook mit mehr RAM und einer SSD aufgerüstet. Und so stand er nun vor mir, der kleine Rechner mit dem viel zu kleinen Display für die Bildbearbeitung. Also musste jetzt was Vernünftiges her.

Zugegeben: Eizo hat einen ausgezeichneten Ruf, aber wenn man die Display-Preise einmal mit anderen Marken vergleicht, dann ist Eizo schon irgendwie Premium. Und so war es auch keine leichte Entscheidung. Mehrfach hatte ich neue curved Displays von LG in 29 Zoll und 27 Zoll-Geräte von NEC im Warenkorb, bis die Bestellung des Eizo CS240 endlich rausging.

Warum die Entscheidung nicht leicht war? Nun, ich versuche stets das beste für das investierte Kapital zu bekommen und das 27 Zoll Format an meinem iMac gefiel mir dermaßen gut (zuvor hatte ich einen 24 Zoll iMac, wo einfach weniger Platz für die Werkzeuge von Photoshop und Lightroom vorhanden war, bzw. das Bild automatisch kleiner wurde, wenn man alle Werkzeugpaletten anzeigen lässt), dass es ein gefühlter Rückschritt für mich war, mich wieder mit einem 24 Zoll Display anzufreunden.

Doch eines Tages kam die Lieferung dann trotz Poststreik bei mir an und ich war sehr neugierig, meinen neuen Eizo auszupacken. Der Standfuß war in Sekundenschnelle montiert und wenig später wurden bereits an der Stelle, wo bisher ein iMac trohnte, das neue Display aufgestellt und verkabelt. Im Gegensatz zu meinem früheren NEC-Display mussten keine Adapter zwischengeschaltet werden; mit dem mitgelieferten Kabel konnte es sofort losgehen.

Den ersten Test des noch unkalibrierten Monitors startete ich ca. fünf Stunden nach Wareneingang, als der Monitor sich von den Transportstrapazen erholt hatte und Raumtemperatur erreichte. Mit Lightroom führte ich eine Schnellbearbeitung von ein paar Portraits durch. Und ich war sehr angetan – vor allem, weil sich die befürchtete Enge auf dem 24 Zoll Display als gar nicht so schlimm herausstellte. Der Mensch ist halt doch ein Gewohnheitstier… ;-)

Also ging ich ran an die Kalibrierung: Mein X-Rite i1 Display Pro bzw. die Software „i1 Profiler“ erkannte den CS240 sofort und nach rund 2,5 Minuten war der neue Bildschirm fertig kalibriert und das neue Profil gespeichert.

Gleich am nächsten Abend startete ich daher eine etwas aufwändigere Bildbearbeitung mit den Fotos vom Vorabend und war sehr angetan von den Ergebnissen. Zum einen war der unkalibrierte Monitor schon recht gut, aber jetzt mit Kalibrierung sah das ganze auf verschiedenen Ausgabegeräten doch schon recht professionell aus. Einzig auf dem MacBook-Display gefiel mir die Darstellung nun weniger gut als zuvor. Doch dazu später mehr.

Nach wenigen Tagen der Eingewöhnung ist der CS240 dann zu meinem „Lieblingsmonitor“ avanciert… wäre da nicht der kurze Moment der Ernüchterung dazwischengekommen: Kaum steht der CS240 für wenige Tage auf dem Schreibtisch, kündigt Eizo den CS270 als 27 Zoll Variante an… das muss nun wirklich nicht sein… denn hätte es den schon gegeben, als ich mich mit der Wahl des richtigen Monitors beschäftigt habe, dann hätte ich mich mit der Entscheidung für einen Eizo gar nicht so schwer getan (das geliebte 27 Zoll Format eben).

Kurz habe ich über den Verkauf des CS240 und einen Neukauf des CS270 nachgedacht. Doch ganz ehrlich: Wahrscheinlich sind zwei CS240 praktischer, als ein CS270. Und wenn ich mir die Preise für den CS270 anschaue, dann bekomme ich für die Preisdifferenz fast einen zweiten CS240 bezahlt. Das wäre dann wirklich ein Zugewinn…

Doch noch einmal zurück zum Thema Kalibrierung: Als die CS270-Gedanken verflogen waren, musste ich plötzlich feststellen, dass meine Farben völlig verzogen waren. Was war passiert? Die Mobilität des MacBooks liefert die Antwort: Nachdem ich das MacBook gestartet und auf der Couch betrieben habe, wurde das Kalibrierungsprofil für den CS240 nicht automatisch gezogen, als ich das laufende MacBook an den Bildschirm anschloss. Heisst: Der Rechner hat das Kalibrierungsprofil des MacBook-Glossy-Bildschirms für den Eizo verwandt. Also quasi das falsche Rezept für die richtigen Zutaten…

Ob das immer passiert, kann ich gar nicht sagen. Denn mich hat es derart geärgert, dass ich das Web abgesucht habe und dort eine einfache und vor allem wirkungsvolle Lösung gefunden habe: Der Eizo bietet die Möglichkeit, das Kalibrierungsprofil direkt im Monitor zu speichern. Was? Ja, genau: Der Bildschirm speichert das Profil und nicht der Rechner! Wie das geht? Über die Eizo-Software „Color Navigator“ wird die Kalibrierung lokal im Bildschirm gespeichert und dort jedes Mal abgerufen, sobald der Bildschirm eingeschaltet wird. Somit kann der Rechner nicht mehr das falsche Profil ziehen. Im Gegenteil: Auf dem MacBook konnte ich das Eizo-Profil löschen. Und siehe da: Jetzt zieht das MacBook sogar wieder automatisch das MacBook-Kalibrierungsprofil…

Eizo's Color Navigator

Eizo’s Color Navigator

Wenn doch alle Dinge nur so einfach wären! Manchmal ist es eben doch gut, in Profiwerkzeuge zu investieren. Ich möchte damit keinen Nicht-Eizo-Bildschirm schlechtreden, aber ich für meinen Teil bin mit meiner Entscheidung absolut glücklich. Ein sauberer Datenhaushalt und ein Display auf Profi-Niveau. Für die nebenberufliche Fotografie sicher keine schlechte Ausgangslage.

Nachtrag 1:

Wer mehr über die Hardwarekalibrierung erfahren möchte, dem sei Eizo’s Erklärvideo wärmstens empfohlen.

Nachtrag 2:

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das nachfolgende Dokument der Firma Eizo, das den Unterschied zwischen Hardware- und Softwarekalibrierung auf nur einer Seite leicht verständlich zusammenfasst: PDF

Nachtrag 3:

Nun gibt es den ColorNavigator, also die Software, die Eizo kostenlos zum Monitor dazuliefert und die die Hardwarekalibrierung des Monitors erlaubt auch in deutscher Sprache!

Nun auch in deutscher Sprache verfügbar.

Nun auch in deutscher Sprache verfügbar.

Nun, ein kleiner Nachtrag für alle, die über einen Thunderbold 3 Anschluß an ihrem Mac/MacBook verfügen: 

https://www.eizo.de/praxiswissen/monitorwissen/kompatibilitaet-mit-der-mac-thunderbolt-3-schnittstelle-des-macbook-pro/